Anämie (Blutarmut) ist ein zusammenfassender Begriff für Erkrankungen, bei denen die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und/oder der Hämoglobingehalt unter die Norm vermindert sind. Erythrozyten, die aus Stammzellen im Knochenmark entstehen, sind dafür zuständig, Sauerstoff von der Lunge zu den Geweben zu transportieren. Da der Sauerstoffbedarf des Körpers variiert (z.B. unter stärkerer Belastung steigt), muss die Bildung der roten Blutkörperchen, die sog. Erythropoese, streng reguliert werden. Diese Aufgabe übernimmt der Wachstumsfaktor Erythropoetin, ein in der Niere gebildetes Hormon. Durch einen Sensor ist die Niere in der Lage, den Sauerstoffgehalt des Blutes zu messen. Ist er zu niedrig, schüttet sie vermehrt Erythropoetin aus. Der Wachstumsfaktor gelangt über den Blutstrom zum Knochenmark und regt dort die Bildung der Erythrozyten an. Die Sauerstoffversorgung im Gewebe steigt.
Bestimmte Krankheiten – beispielsweise Krebs oder auch chronische Nierenerkrankungen – gehen häufig mit einer Anämie einher. Bei Krebspatienten kann die Anämie als Folge der Erkrankung (Tumoranämie) oder auch behandlungsbedingt – durch eine Chemo- oder Strahlentherapie – auftreten. Bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion kann nicht mehr ausreichend Erythropoetin in der Niere gebildet werden, die Erythrozytenzahl sinkt – und damit verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung des Körpers.
Zu den ausgeprägten Symptomen bei Anämie gehören: Müdigkeit, Schwäche, rascher Herzschlag, Kurzatmigkeit, Benommenheit oder Ohnmacht, Kältegefühl, Traurigkeit oder Depression. Die Anämie kann das Herz stark belasten, da es mehr arbeiten muss, um den gesamten Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Sie kann auch die Wirksamkeit bestimmter Krebstherapien einschränken und eine Unterbrechung des Chemotherapiezyklus erfordern. Bleibt die Anämie unbehandelt, bedarf es womöglich einer Bluttransfusion, um die Zahl der roten Blutkörperchen wieder zu erhöhen.